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Auf zu neuen Ufern – mit Elektroschiffen

Nicht nur an Land, auch auf See wird Diesel zum Problem. Ob auf Fähren, Frachtern oder Kreuzfahrtschiffen: Die Umweltbilanz spielt eine immer größere Rolle. Denn noch ist die Branche eine der schmutzigsten. Höchste Zeit für Elektroschiffe. elect! wirft einen Blick auf die aktuelle Lage in der E-Schifffahrt.

Ab 2020 darf nur noch Treibstoff verfeuert werden, der maximal 0,5 Prozent Schwefel – anstatt wie heute üblich bis zu 3,5 Prozent – enthält. Weil der saubere Sprit teurer ist, wird Strom als Energiequelle attraktiver. Besonders Norwegen treibt das Thema voran.

Elektrische Autofähren: Vorreiter Norwegen

Die Technologie für die erste elektrisch angetriebene Auto- und Passagierfähre der Welt hat Siemens bereits 2015 mit der norwegischen Werft Fjellstrand entwickelt. Seitdem ist das Elektroschiff lautlos in den norwegischen Fjorden unterwegs – täglich im 20-Minuten-Takt 34-mal zwischen Lavik und Oppedal nördlich von Bergen. Eine konventionelle Fähre auf dieser Strecke verbraucht pro Jahr etwa eine Million Liter Diesel und bläst 2.680 Tonnen Kohlendioxid sowie 37 Tonnen Stickoxide in die Luft. Das 80 Meter lange neue Elektroschiff wird hingegen von zwei Elektromotoren mit je 450 Kilowatt Leistung angetrieben, die ihre Energie aus Lithium-Ionen-Akkus saugen. 

Die Kapazität der Batterien von insgesamt 1.000 Kilowattstunden (kWh) ist jedoch nur für einige der täglichen Fahrten zwischen den beiden Fjordgemeinden ausreichend. Das Reichweiten-Problem haben die Ingenieure mit drei Batteriepaketen – eines an Bord und eines in jedem Hafen – gelöst. Die zwei 260-kWh-Einheiten laden den Schiffs-Akku während der Wartezeit im Hafen mit Elektrizität auf. Anschließend wird die abgegebene Energie langsam aus dem Netz ersetzt, bis das Schiff zurückkommt, um Passagiere abzusetzen und erneut zu laden. 

Auch in Deutschland gewinnen die elektrischen Fähren an Fahrt. Beispielsweise will Vorpommern die Elektromobilität auf dem Wasser stärker fördern. Im Juni 2017 startete ein entsprechendes EU-Projekt, das Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Schiffen und Booten mit Elektroantrieb (Elmar) fördert. Es soll Unternehmen aus dem Schiffs- und dem Bootsbau bei der Anwendung neuer Technologien helfen – etwa mit Bootsbau-Workshops oder Fachkonferenzen für Schiffbauunternehmen. Das Metallbauunternehmen Ostseestaal baute den in vergangenen Jahren bereits mehrere Boote mit Elektroantrieb, die die Stralsunder Reederei Weiße Flotte zum Beispiel als Fähren im öffentlichen Personennahverkehr auf Berliner Gewässern einsetzt.

Erstes Elektro-Containerschiff legt 2018 ab

Das erste zu 100 Prozent elektrisch betriebene Containerschiff sticht voraussichtlich bereits 2018 in See. Gebaut wird es derzeit von dem norwegischen Chemieunternehmen Yara und dem Rüstungskonzern Kongsberg. Die Yara Birkeland soll künftig zwischen drei Häfen Düngemittel transportieren. Bisher legen die jährlich rund 20.000 Container diese Wege per Lkw zurück. Das Schiff hingegen bietet mit einer Fuhre Platz für 120 Container. Das reduziert Staub und Lärm, erhöht die Sicherheit auf den Straßen und verringert die negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Möglich wird dies durch den Akku an Bord des Schiffs mit einer Leistung von mehr als 7.000 Kilowattstunden. 2020 soll das Schiff sogar komplett autonom fahren. 

Anfang 2017 wurde in Norwegen bereits das weltweit erste batterieelektrische Arbeitsschiff für die Fischzucht in Betrieb genommen. Alleine die Fischereiflotte, die heute etwa 400 Millionen Liter Diesel im Jahr verbraucht, könnte mit der Umstellung auf Elektroantrieb ihren Treibstoffbedarf um 80 Prozent senken. Das ist ein wesentlicher Beitrag zu der 40-prozentigen Reduktion des Treibhausgases CO₂, zu dem sich die norwegische Regierung verpflichtet hat.

Sauberere Hafenluft durch Passagierschiffe mit Hybridantrieb

Bereits im Oktober 2018 soll das Expeditionsschiff der norwegischen Reederei Hurtigruten von Chile aus in See stechen – unterstützt von Elektromotoren. Wesentlicher Bestandteil des Maschinenraums werden Lithium-Ionen-Akkus sein, die das 140 Meter lange Schiff mindestens 30 Minuten lang rein elektrisch antreiben. Auch die norwegische Ulstein-Werft setzt auf Hybridantrieb – und das bei Passagierschiffen. Sie baut für die Reederei Color Line das größte Passagierschiff der Welt mit Hybridantrieb. Ab 2019 soll dies in Südnorwegen pendeln und auf den Antrieb durch Dieselmotoren verzichten, sobald es sich dem Hafen nähert. Das Schiff kann eine Stunde lang rein elektrisch fahren, was dafür sorgt, dass die Luft im Hafen sauberer wird. 

Diese Entwicklungen zeigen: Die Seefahrt steht am Anfang einer Kehrtwende, welche die Autobranche gerade vollzieht: weg vom Öl, hin zum Batterieantrieb. Dutzende Schiffe sind bereits im Bau – angefangen bei lokalen Autofähren bis hin zu großen Passagierschiffen. Doch auch in der Schifffahrtsbranche gilt es künftig, Reichweiten zu steigern und die Technologie zu verfeinern.

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