Trend - Induktives Laden: Interview mit Professor Dr.-Ing. Nejila Parspour
Trend - Induktives Laden: Interview mit Professor Dr.-Ing. Nejila Parspour

Trend - Induktives Laden: Interview mit Professor Dr.-Ing. Nejila Parspour

Nejila Parspour leitet das Institut für Elektrische Energiewandlung (iew) am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik. Seit 15 Jahren forscht sie auf dem Gebiet der kabellosen Energieübertragung. Im Interview spricht sie über aktuelle Entwicklungen und die größten Hürden auf dem Gebiet des induktiven Ladens.

Worin bestehen für Sie die großen Vorteile der induktiven Ladetechnik, also dem Laden von Elektrofahrzeugen ohne Kabel?

Induktive Ladesysteme bieten viele Vorteile. Einerseits ist das Laden von Elektroautos per Induktion für den Ladevorgang selbst komfortabler als kabelgebundene Entwicklungen. Andererseits lassen sich die Systeme an jeder Ampel, jedem Parkplatz und sogar an bestimmten Autobahnabschnitten installieren. So können Halter von Elektroautos überall und zu jeder Zeit nachladen, ohne sich Gedanken über die Reichweite und den Ladezustand ihres LKWs zu machen. Technisch ist es sogar möglich, die Systeme so zu bauen, dass man sie direkt unter der Oberfläche platziert. Dadurch wären sie nicht sichtbar und städtebaulich sehr gut integrierbar, aber auch wunderbar geschützt vor Vandalismus.

Ab wann wird kabelloses Aufladen die Regel sein?

Ich denke, dass wir in drei bis vier Jahren Systeme haben werden, die Fahrzeuge der Premium-Marken in der eigenen Garage induktiv aufladen können. Solche Ladestationen im öffentlichen Raum werden vermutlich in etwa fünf Jahren realisierbar sein. Ich bin davon überzeugt, dass es in den nächsten Jahren einen zunehmenden Bedarf an induktiven Ladestationen geben wird. Elektroautos sind im Kommen. Durch eine breite Markteinführung von Elektrofahrzeugen in der Zukunft, wird es auch eine Beschleunigung in der Entwicklung und Realisierung von Ladestationen geben. So erhält das Thema Laden automatisch eine größere Bedeutung.

An welchen Stellschrauben muss dringend gedreht werden, damit kabelloses Aufladen salonfähig wird?

Für mich ist nicht die Technik die Herausforderung, sondern das Engagement und die Bereitschaft seitens der Industrie und Automobilherstellern, diese Systeme in die Fahrzeuge einzubauen. Sobald die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist, steht dem induktiven Laden an öffentlichen Plätzen nichts mehr im Wege. Hierzu müssen sich Automobilbauer und der Städtebau eng abstimmen. Auch die Politik und eine frühzeitige Abstimmung bezüglich Standards spielen dabei eine wichtige Rolle. Momentan passiert hier noch zu wenig. Ich forsche bereits seit 15 Jahren auf dem Gebiet der kabellosen Energieübertragung. Wir wissen jetzt, dass induktives Laden seitens der Wissenschaft machbar ist, da Ingenieure und Wissenschaftler mit ihren Entwicklungen sehr weit sind. Nun muss der Schritt vom Stand des Prototypen zur Markteinführung erfolgen.

Steckbrief:

Die gebürtige Iranerin hat Elektrotechnik an der Technischen Universität Berlin studiert. Nach der Promotion 1995 und einem Studienaufenthalt an der Elitehochschule Berkeley begann Parspour 1996 als Projektleiterin bei der YXLON X-Ray GmbH in Hamburg. 2001 wechselte sie zum Institut für Antriebstechnik und Leistungselektronik der Universität Bremen, wo sie 2003 den ersten Preis beim Wettbewerb „Innovative Ideen für Unternehmen der Zukunft“ für die Entwicklung von kabellosen Energieübertragungssystemen in Robotern erhielt. Ein Jahr später gewann sie den Technologiepreis des Landes Bremen für ihre Forschungsbeiträge zu berührungslosen Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge. Seit Oktober 2007 ist Parspour Professorin für Elektrische Energiewandlung an der Universität Stuttgart und leitet dort seit Juni 2011 das neu gegründete Institut für Elektrische Energiewandlung. 2012 wurde die Wissenschaftlerin zu einer der ersten drei Übermorgenmacher beim gleichnamigen Wettbewerb für ihren Verdienst im Bereich „Induktives Laden von Elektrofahrzeugen“ gewählt.

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