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Plattform Urbane Mobilität – Interview mit Matthias Wissmann

Was ist die Plattform Urbane Mobilität und welche Ziele verfolgt sie? VDA-Präsident Matthias Wissmann gibt Antworten und erklärt im Interview unter anderem, was es mit der Organisation auf sich hat und wer sich daran beteiligt.

Was ist die Plattform Urbane Mobilität?

Die Plattform ist ein Zusammenschluss mehrerer deutscher Städte. Derzeit sind Bremen, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Leipzig, Ludwigsburg, München und Stuttgart dabei. Außerdem sind große Unternehmen der deutschen Automobilindustrie Mitglieder der Plattform, zum Beispiel Audi, BMW, Bosch, Conti, Daimler, Porsche, Schaeffler, VW Nutzfahrzeuge sowie der VDA.  

Welche Ziele verfolgt die Plattform Urbane Mobilität?

Die Plattform soll zum einen den Austausch zwischen Städten und Automobilindustrie erleichtern und fördern. Ziel ist es, gemeinsam Lösungen für die urbane Mobilität der Zukunft zu entwickeln. Dazu sind die Partner in der Plattform derzeit dabei, gemeinsame Pilotprojekte zu entwickeln, die in ausgewählten Städten umgesetzt werden sollen. Die Idee ist, dahinter: Es soll bei den Projekten zu einer gewissen Arbeitsteilung zwischen den Städten kommen, während gleichzeitig aber alle Partner über die Plattform von den Erfahrungen aus den Projekten profitieren können. Als Themenfelder wurden in der Plattform die Bereiche Multi-/Intermodalität, digitale Infrastruktur und Flächennutzung/ Parkraummanagement identifiziert. Der Bereich der Emissionsreduktion wird als Querschnittsthema von allen diesen Bereichen erfasst. 

Zudem entwickelt die Plattform auch gemeinsame Empfehlungen etwa an den Bund, wie die Rahmenbedingungen für die Gestaltung der urbanen Mobilität der Zukunft verbessert werden können, zum Beispiel im Bereich der Forschungsförderung. In einer im Mai veröffentlichten gemeinsamen Erklärung hat die Plattform ihre Ziele und Handlungsfelder zusammengefasst. 

Warum beteiligt sich der VDA an der Plattform?

Der VDA hat die Plattform mit initiiert, weil es auch dem Wunsch der Städte entsprach, die gemeinsamen Aktivitäten zu bündeln. Bisher gab es bereits viele bilaterale Kontakte zwischen einzelnen Unternehmen und einzelnen Städten. Die Plattform soll diese Aktivitäten zusammenführen und koordinieren. 

Es gibt mittlerweile verschiedene Zusammenschlüsse in diesem Bereich. Wozu braucht es gerade die Plattform Urbane Mobilität?

Es hat sich gezeigt, dass der Austausch zwischen verschiedenen Projekten zur urbanen Mobilität, die in einzelnen Städten durchgeführt werden, nicht wirklich gut funktioniert. Die Plattform soll daher als Dach über diesen Einzelprojekten fungieren und den Austausch zwischen den Projekten erleichtern. Es ist ein Ziel der Plattform, deutsche Städte in Partnerschaft mit der Industrie zu Experimentierräumen für die Mobilität von morgen zu machen und so Lösungen für andere Städte rund um den Globus zu entwickeln. Damit könnte Deutschland zu einem Vorreiter für die urbane Mobilität der Zukunft werden. 

Welche Vision von der urbanen Mobilität der Zukunft haben Sie?

Ziel muss es sein, mit der Weiterentwicklung urbaner Mobilitäts- und Logistiklösungen die Lebensqualität für die Menschen in der Stadt zu verbessern. Dazu brauchen wir einen möglichst emissionsfreien, sicheren, aber auch effizienten und nutzerfreundlichen Verkehr in der Stadt. Wir sind uns bewusst, dass dabei die Nutzung des Autos in der Stadt aller Voraussicht nach geringer und vor allem anders werden wird. Dadurch wird sich auch das Geschäftsmodell der Automobilindustrie gerade im städtischen Umfeld weiter wandeln – über den reinen Verkauf von neuen Autos hin zum Anbieter umfassender Mobilitätsdienstleistungen. Allerdings sind wir fest davon überzeugt, dass Autos auch in Zukunft eine wesentliche Rolle in der urbanen Mobilität spielen werden.  

Steckbrief:

Matthias Wissmann ist seit 2007 Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) und ehemaliger CDU-Politiker. Als solcher war er 1993 Bundesminister für Forschung und Technologie sowie von 1993 bis 1998 Bundesminister für Verkehr. 

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