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E-Mobilität braucht starke Stromnetze – Interview mit Selma Lossau von Netze BW

Die E-Mobilität nimmt immer mehr an Fahrt auf. Doch mit zunehmender Zahl von E-Autos auf deutschen Straßen steigen der Energiebedarf und die Anforderungen an die Infrastruktur. Warum das aber nur teilweise ein Problem ist, erklärt Selma Lossau von der EnBW-Tochter Netze BW.

Wo und wie wird Energie in der Zukunft erzeugt?

Unseren Strom werden wir auf lange Sicht großenteils aus der Windenergie gewinnen – und natürlich auch aus Sonne und Wasser. Beim Wind spielen gerade Offshore-Anlagen eine große Rolle. Das sieht man zum Beispiel bei unserem Mutterkonzern EnBW: In der Ostsee erzeugen bereits die Windparks Baltic 1 und 2 kontinuierlich Strom, 2019 will die EnBW gemeinsam mit dem kanadischen Enbridge-Konzern erstmals auch einen Windpark in der Nordsee errichten, der rechnerisch 560.000 Haushalte mit Strom versorgen kann. Aber auch Photovoltaik-Anlagen – gerade auf privaten Wohnhäusern – werden einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung der Zukunft leisten.

Was sind die Herausforderungen beim Wechsel zu erneuerbaren Energie?

Bislang war das Stromnetz in Deutschland auf Großkraftwerke ausgelegt und entsprechend auch die Versorgung organisiert. Das ändert sich bereits und wird sich noch stärker in Zukunft ändern. Die Erzeugungsformen werden dezentraler und das Netz muss es auch werden. Dazu wird die Infrastruktur mit neuen Anforderungen konfrontiert. Eine dieser Anforderungen ist die Ladeinfrastruktur für die E-Mobilität. Wir brauchen hohe Leistungen, wenn zum Beispiel in einem Wohngebiet viele E-Autos gleichzeitig laden. Hier können lokal Spitzenbelastungen entstehen, für die das Netz heute noch nicht ausgelegt ist. Das so hinzubekommen, dass es funktioniert, ist nicht trivial, aber zu schaffen. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, das Netz entsprechend auszubauen, damit unsere Kunden überall komfortabel laden können. 

Reicht die künftig erzeugte Strommenge aus, um den Umstieg vom Verbrennungsmotor auf den E-Antrieb zu bewältigen?

Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen, dass der Strom für die E-Mobilität nicht reicht. Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt das ganz gut: Die Politik möchte bis 2020 eine Million E-Autos auf deutschen Straßen haben. Deren Strombedarf beliefe sich auf etwa 0,5 Prozent (3 TWh) der erzeugten Energie in Deutschland (650 TWh). Selbst wenn 2020 10 Millionen E-Fahrzeuge unterwegs wären, läge der Bedarf bei nur rund 5 Prozent (30 TWh) der heute erzeugten Energiemenge. Dieser Strom muss jedoch nicht zusätzlich produziert werden. 2016 hat Deutschland rund 50 TWh an Energie exportiert. Das ist ein Überschuss, der den Bedarf von mehr als 10 Millionen E-Autos deckt.

 

Steckbrief:

Selma Lossau studierte Wirtschaftsingenieurwesen mit der Fachrichtung technische Chemie an der Technischen Universität in Berlin. Die gebürtige Berlinerin zog nach ihrem Studium nach Stuttgart und stieg im Rahmen einer Industriepromotion bei der Daimler AG ein, bevor sie bei der EnBW Erzeugung ihre Tätigkeit im Bereich der erneuerbaren Energien aufnahm. Anschließend wechselte sie zur Netze BW, um die Energiewende auf der Verteilnetzseite innovativ mitzugestalten. Seither leitet sie bei der Netze BW die Aktivitäten zur Netzintegration von Elektromobilität mit dem Ziel, Netzausbaubedarf frühzeitig zu identifizieren, Übergangslösungen für Netzengpässe bereitzustellen sowie innovative und kundenfreundliche Lösungen für den optimierten Netzanschluss von Ladeinfrastruktur zu entwickeln.

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Hartmuth Thaler, Dipl. Ing. – 17.09.2018 14:50

Bei Solaranlagen werden Stecker verwendet, mit > 0,5 mOhm = 500 W Verlustleistung bei1000 A. Mein 51tes Patent ist ZIF_0_60 "Zero Insertion Force" mit < 0,02 mOhm = 20 W bei 1000 A.Der Kontakt ist skalierbar von 10 A bis 1000 A.H. ThalerVerlustleitung bei 1000 A