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Ohne Elektromobilität keine Smart Grids: Das E-Auto als Speicher

Wenn es um die Energieversorgung durch regenerative Energien geht, ist schnell die Rede von intelligenten Stromnetzen. Eine Möglichkeit, erneuerbare Energie zu speichern, bieten lokale Smart Grids. Dabei spielen Elektroautos eine Schlüsselrolle.

Bis 2050 sollen 80 Prozent des deutschen Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen. Damit dieses energiepolitische Ziel der Bundesregierung erreicht wird, müssen leistungsfähige Stromspeicher her – vor allem, um Versorgungsengpässe zu vermeiden. Denn genauso wenig wie die Sonne immer scheint, weht der Wind nicht 24 Stunden am Tag. Und nur mithilfe von Speichern können die Stromnetze entlastet und möglichst viel regenerativer Strom verbraucht werden.

„In Europa tun wir uns einen großen Gefallen, wenn wir die dezentral gewonnene Energie auch mithilfe dezentraler Speicher an Ort und Stelle einsetzen“, sagt Professor Hans-Jürgen Pfisterer, Leiter des Forschungsprojektes „lokSMART jetzt!“ an der Hochschule Osnabrück. „Daher arbeiten wir an lokalen Smart Grids. Neben stationären Speichern und der Einbindung regenerativer Energiequellen spielen dabei Elektroautos als zusätzlicher Pufferspeicher eine Schlüsselrolle.“

Synergien zwischen Energiemanagement und Mobilität schaffen

E-Autos benötigen einerseits selbst Strom, um fahren zu können. Andererseits bieten sie auch die Möglichkeit, den Strom nur zwischenzuspeichern und bei erhöhtem Energiebedarf wieder in das häusliche Stromnetz einzuspeisen. Denn Elektroautos stehen viele Stunden des Tages nur herum. In dieser Zeit können sie als temporärer Batteriespeicher genutzt werden und damit zur Netzstabilisierung beitragen. Voraussetzung dafür ist eine bidirektionale Ladesäule, über die E-Autos Strom laden und entladen können. So werden Synergien zwischen Energiemanagement und Mobilität in intelligenten lokalen Stromnetzen geschaffen.

Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt die Bäckerei Schüren aus Hilden bei Düsseldorf. Sie ist einer der sechs Projektpartner von „lokSMART Jetzt!“. Bei „Ihr Bäcker Schüren“ produzieren mehrere Photovoltaikanlagen auf dem Carport sowie dem Backstubendach tagsüber mit bis zu 185 kWp Hildener Sonnenstrom. Die gewonnene Energie wird ab Juni in eine stationären Batteriespeicher gespeichert und im zweiten Schritt mithilfe von bidirektionalen Ladesäulen – welche im Rahmen des Projektes entwickelt wurden – direkt in die sechs elektronischen Lieferfahrzeuge gespeist, die nach ihrem Einsatz in den Morgenstunden nicht weiter benötigt werden. Wenn in der Nacht Hochbetrieb in der Backstube herrscht und viel Energie benötigt wird, geben die Fahrzeuge Strom an die Backstube ab. Allerdings werden die Fahrzeuge nur soweit entladen, dass noch ausreichend Strom für die gesamte Tagestour zur Verfügung steht. „Mit diesem Prinzip werden wir nachtaktiven Bäcker auch energetisch die Nacht zum Tag machen“, sagt Roland Schüren, der das Familienunternehmen in vierter Generation führt. „E-Mobilität erhöht unsere Wirtschaftlichkeit durch die Einsparungen von Diesel und Sprit immens.“ Künftig sollen alle 18 Fahrzeuge der Bäckerei elektrisch fahren und damit der komplette Lieferverkehr strombasiert erfolgen.

Lokale Smart Grids machen E-Autos attraktiver

„Mit unserem Konzept wird es möglich, dezentrale und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete lokale Stromversorgungseinheiten zu entwickeln, die einen frühzeitigen Smart Grid-gestützten Betrieb von Elektrofahrzeugen erlauben. Das erhöht auch die Attraktivität von Elektromobilität“, erläutert Pfisterer. Ziel des Projekts „lokSMART Jetzt!“ ist es, nun weitere Betriebe mit planbaren Routen ihrer Flotten sowie Privathaushalte mit lokalen Smart Grids auszustatten. An der Nachfrage mangelt es nicht. Denn das System ist besonders für Städte wie Stuttgart mit einer hohen Feinstaubbelastung interessant. Nutzen Betriebe E-Sprinter, sind diese von etwaigen Fahrverboten nicht betroffen. Nun gilt es, genügend Projektpartner für die Produktion von E-Sprintern an Bord zu holen sowie den Übergang des Prototyps der bidirektionalen Ladesäule in die Serienproduktion anzugehen.

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