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Neue Aufgaben für alte E-Autobatterien

Alte E-Autobatterien müssen von den Herstellern zurückgenommen und recycelt werden. Dabei gehen viele Stoffe immer noch verloren. Ein Pilotprojekt von Vattenfall, BMW und Bosch in Hamburg erprobt deshalb den Einsatz nach dem E-Auto.

Ein elementarer Baustein für die Elektromobilität ist die E-Auto-Batterie. Doch wie jeder Akkumulator verliert auch die E-Auto-Batterie mit den Jahren Ladekapazität. Nach sechs bis acht Jahren fällt die Leistung unter 80 Prozent und ist damit für die E-Mobilität, in der die Reichweite eine große Rolle spielt, nicht mehr zu gebrauchen. Aber muss sie deswegen gleich entsorgt werden?

Nein, meint der Batterie-Experte Daniel Hustadt. Mit dem Austausch beginne das zweite Leben der Batterie. Anstatt aufwendig recycelt zu werden oder auf dem Müll zu landen, können sie sinnvoll und wirtschaftlich mit ihren fast 80 Prozent Ladekapazität weiterhin genutzt werden. Hustadt muss es wissen. Er ist Projektleiter bei der Vattenfall Innovation GmbH und verantwortlich für Batteriegroßspeicher. Ein solcher Großspeicher steht im Hamburg Hafen. Dort testet der Energiekonzern Vattenfall in Kooperation mit dem Automobilhersteller BMW und Technikkonzern Bosch inwiefern sich E-Autobatterien weiter nutzen lassen. 

Stromnetz stabil halten

In einem 26 Meter langen und etwa sechs Meter breiten Betonflachbau sind Batteriemodule von etwa 100 E-Fahrzeugen zusammengeschlossen. Konverter wandeln den Gleichstrom der Batterien in Wechselstrom, der dann ins Netz eingespeist werden kann. Und zwar als Strom, der nicht dem direkten Verbrauch dient, sondern die Spannung im Stromnetz stabil halten soll.

Diese sogenannte Regelenergie ist immer dann nötig, wenn entweder zu viel oder zu wenig Strom im Netz vorhanden ist. Die magische Linie liegt bei 50 Hertz. Von dieser Netzfrequenz darf es nur minimale Abweichungen geben. 

„Das ist wie eine Badewanne, die kontinuierlich ein Level halten muss. Sie haben den Wasserhahn auf und sie haben den Stöpsel auf. Und das Level muss immer gehalten werden, sonst droht ein Zusammenbruch des Netzes“, sagt Hustadt. 

Das ist solange einfach, wie die produzierte Strommenge mit der verbrauchten Strommenge übereinstimmt. Sobald aber ein Kraftwerk ausfällt, oder die regenerativen Energiequellen weniger Strom liefern, weil etwa weniger Wind weht, muss das Gleichgewicht durch andere Erzeuger hergestellt werden. Bei allen Herausforderungen muss das Netz stabil bleiben, in jeder Sekunde werden Überkapazitäten aufgefangen oder ein erhöhter Bedarf bedient.

Umdenken im Strommanagement

Bislang haben die großen Kraftwerke diese Schwankungen ausgeglichen. Doch von denen wird es künftig immer weniger geben und der Wechsel hin zu einer regenerativen Stromversorgung ist politischer Wille. 600 bis 700 Megawatt Primärregel-Leistung sind derzeit nötig, um die Schwankungen im deutschen Stromnetz täglich auszugleichen. Zwei Megawatt davon kann die kleine Pilotanlage liefern oder auffangen. „Größere Batteriespeicher-Anlagen können auch mehr Strom auffangen oder abgeben“, sagt Hustadt. Doch bislang gebe es noch nicht so viele E-Autos und alte Batterien, als das sich bereits jetzt ein wirtschaftlicher Einsatz für größere 2ndlife-Großbatteriespeicher lohne. Wann es so weit sein wird, ist bislang noch nicht abzusehen.

So viel ist jedoch sicher: Die Energiewende, der Wechsel hin zu regenerativen Energiequellen, ist auch ein Umdenken beim Strommanagement. Sonne, Wind und Wasser liefern nicht immer gleichbleibend Strom und beispielsweise eine Windkraftanlage kann nicht so einfach auf die Schwankungen im Bedarf reagieren. Das bedeutet zukünftig für die Energieunternehmen einen erhöhten Bedarf an Stromspeichern wie dem im Hamburger Hafen. Und für alte E-Autobatterien eine neue Aufgabe.

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Smithe936 – 22.07.2018 21:14

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