Elektromobilität: Logistikbranche unter Strom
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Elektromobilität: Logistikbranche unter Strom

Elektrofahrzeuge spielen nicht nur im privaten Umfeld eine Rolle. Weil das Lieferaufkommen in den Städten kontinuierlich steigt, muss sich auch die Logistikbranche mit dem Thema Elektromobilität auseinandersetzen. Einige Kurier-Express-Paket-Dienste nehmen dabei eine Vorreiterrolle ein.

E-Commerce ist ein Milliardenmarkt, der seit Jahren starke Wachstumsraten verzeichnet. Kein Wunder, denn nirgendwo anders lässt es sich so bequem einkaufen wie im Internet. Die Lieferung erfolgt dabei häufig schon am nächsten Tag. Doch dieser Komfort hat auch eine Kehrseite und stellt die Logistikbranche vor Herausforderungen. Aufgrund der unzähligen Bestellungen verdichtet sich der Liefer- und Warenverkehr. Das ist vor allem in Städten ein Thema. Denn hier müssen die Zusteller besonders viele Pakete zu unterschiedlichen Empfängern bringen.

Damit sind Umwelt- und Lärmbelastung in erster Linie in urbanen Ballungszentren ein Problem. Ein elementarer Baustein zukunftsfähiger Konzepte ist daher Elektromobilität. Doch das Elektrofahrzeug spielte lange eher im privaten Umfeld eine Rolle als in der Logistikbranche. Deshalb setzen sich Experten damit auseinander, wie Lieferungen künftig sowohl ressourceneffizient als auch stadtverträglich zugestellt werden können.

Elektromobilität in der Logistikbranche macht Zukunft

Doch rentieren sich die umweltfreundlichen Fahrzeuge eigentlich und können sie mit den herkömmlichen Modellen mithalten? Mit diesen Fragen zum Thema Elektromobilität setzt sich Steffen Raiber seit einigen Jahren auseinander. Der Leiter der Abteilung „Urban Delivery Systems“ des Fraunhofer IAO und sein Team haben im Rahmen des Schaufenster-Projekts „Urbaner Logistischer Wirtschaftsverkehr“ gemeinsam mit den Kurier-Express-Paket-Dienstleistern (KEP) Deutsche Post DHL, DPD und UPS in einem Feldversuch Elektromobilität in der Stadt getestet und festgestellt, dass das Potenzial in der Logistikbranche groß ist. Denn einerseits wird das Sendungsvolumen in den kommenden Jahren weiter steigen, andererseits werden sich die Regulierungen verschärfen. Stichwort: Einfahrverbote und Emissionsgrenzen.

Ein großes Elektrofahrzeug: in Deutschland noch Mangelware

Deswegen findet in Deutschland derzeit ein Umdenken statt. Dennoch kann der Abschied vom konventionellen Dieselantrieb noch eine Weile dauern. „Große Elektrofahrzeuge sind heute noch nicht wirtschaftlich. Die leichteren Gewichtklassen können hingegen bereits sehr gut mit den konventionellen Dieselfahrzeugen mithalten“, sagt Raiber. Im ländlichen Raum kommen eher kleine Fahrzeugtypen zum Einsatz. Hier ist das Zustellvolumen geringer als in Ballungszentren, die Empfänger leben aber weiter auseinander. In den Städten sind die Zusteller eher mit Fahrzeugtypen der Sprinterklasse oder sogar mit einem 7,5-Tonner unterwegs. Genau darin liegt die Herausforderung: Es werden mehr geräumige elektrische Lieferfahrzeuge benötigt.

Elektromobilität trotz Herausforderungen keine Zukunftsmusik

Damit ist für viele Akteure der Logistikbranche Elektromobilität keine Zukunftsmusik mehr. Eine Herausforderung ist jedoch noch der Netzanschluss am jeweiligen Fahrzeugdepot. „Bei bis zu sieben Elektrofahrzeugen je Standort gibt es noch keine Probleme mit der Stromversorgung“, sagt Raiber. „Sollen mehr ans Netz, ist ein neuer Anschluss sowie ein intelligentes Lademanagement nötig. Eines, das den verfügbaren Strom managt, ohne dabei allzu viel Leistung zu beanspruchen. Das ist allerdings teuer.“ Hinzu kommt, dass es vor allem in den größeren Fahrzeugsegmenten wie beispielsweise Mercedes Sprinter und größer keine Elektrofahrzeuge gibt, sondern nur Umbauten. „Für Paketdienstleister ist das keine Dauerlösung“, sagt Raiber. „Denn die haben Rahmenverträge mit den großen Automobilherstellern, die Service, Garantien und Know-how bieten.“

E-Lieferfahrzeuge prägen künftig Stadtbild

Raiber ist optimistisch, dass in etwa zehn Jahren elektrifizierte Lieferfahrzeuge fest zum Stadtbild gehören werden. „In Deutschland gibt es genügend Streckenprofile, bei denen ohne Einschränkungen elektrische Fahrzeuge eingesetzt werden können. Denn schon mit einer Reichweite von 100 Kilometern lässt sich ein Großteil der Touren bewältigen“, sagt Raiber. Hinzu kommt, dass es in naher Zukunft Fahrverbote in den Städten geben wird. Stuttgart ist ein Beispiel dafür. Wenn 2018 zu hohe Feinstaubwerte in der Luft gemessen werden, müssen Autofahrer ihren Wagen stehen lassen. Gleiches gilt dann auch für den Lieferverkehr. Auf diese Entwicklungen bereiten sich die Automobilhersteller vor und werden künftig größere Fahrzeuge bauen. „Wenn jeder ein elektrisches Lieferfahrzeug anschaffen muss, kommen auf alle ähnliche Kosten zu. Das ist dann auch kein Eingriff in den Wettbewerb“, sagt Raiber. „Dann gibt es wirklich keine Ausreden mehr. 

Logistikbranche setzt auf umweltfreundliche Lösungen

Die Deutsche Post DHL ist der KEP-Dienst, der das Thema Elektromobilität in der Logistikbranche besonders vorantreibt und zukunftsfähig macht. Mit dem Streetscooter hat das Unternehmen als erster Logistikkonzern ein eigenes Elektroauto entwickelt, das sich für die Paketzustellung eignet. Mittlerweile wird das E-Gefährt flächendeckend implementiert. Mittelfristig soll die gesamte Zustellflotte in Deutschland durch die Elektrofahrzeuge ersetzt werden. Auch UPS setzt verstärkt Elektro-Transporter ein. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um eigens entwickelte Fahrzeuge, sondern um umgerüstete Diesel-Lieferwagen. 

Im Rahmen des Schaufenster-Projekts „Urbaner Logistischer Wirtschaftsverkehr“ kooperieren unter wissenschaftlicher Leitung des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation die drei großen Paketdienstleister Deutsche Post DHL, DPD und UPS miteinander. Bei Flottenversuchen in Stuttgart, Karlsruhe und Ludwigsburg setzen die Partner seit vier Jahren unterschiedliche elektrisch betriebene Transporter ein. Dabei untersucht das Fraunhofer Institut, wie groß das Potenzial der Elektrifizierung des innerstädtischen Lieferverkehrs ist. Darüber hinaus entwickeln die Wissenschaftler Zukunftsszenarien, die den künftigen Einsatz der E-Fahrzeuge in der Logistikbranche skizzieren.

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