Ladesystem CharIN - Andreas Kaufung
Ladesystem CharIN - Andreas Kaufung

Ein Ladesystem für die ganze Welt: Interview mit André Kaufung

Die Charging Interface Initiative (CharIN) mit Sitz in Berlin fordert schnelles und einfaches Laden von E-Autos über das weltweit einheitliche Combined Charging System. Wie die Initiative ihr Ziel erreichen möchte und was die Zukunft bringt, erzählt uns CharIN-Geschäftsführer André Kaufung im Interview.

Was genau steckt hinter der Initiative CharIN?

Die CharIN ist ein Zusammenschluss von Fahrzeugherstellern, Zulieferern und weiteren industriellen Stakeholdern der gesamten Wertschöpfungskette Elektromobilität. Gemeinsam wollen wir das Ladesystem Combined Charging System (CCS) international etablieren und weiterentwickeln. Das CCS ist ein offenes, universelles Ladesystem für Elektrofahrzeuge, welches schnelles und einfaches Laden ermöglicht. Zudem ist das System das einzige, welches Laden mit Wechselstrom (AC) und Gleichstrom (DC) in einem Combo-Stecker vereint. Zu unseren Mitgliedern gehören Audi, BMW, Ford, Hyundai, Mercedes, Porsche, Toyota, Tesla, Volkswagen und Volvo und viele andere, wie die führenden Ladesäulenhersteller, Dienstleister, CPO’s, usw.

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis sich ein universelles Ladesystem wie CCS international durchsetzt? Wie zuversichtlich blicken Sie in die Zukunft der Elektroauto-Branche?

In Europa gibt es eine EU-Richtlinie, welche besagt, dass ab Mitte 2017 CCS als Standardausrüstung ein Muss ist. Jede neu errichtete Ladesäule wird dann einen CCS-Stecker haben. In Europa genauso wie in Nord-Amerika (USA und Kanada) ist das System bereits etabliert und in den politischen Rahmbedingungen verankert. In E-Autos wird CCS schon bald der Marktstandard sein. Mittlerweile unterstützen 18 der Top-20-Autohersteller das System und sind Mitglied unseres Vereins. Außerdem werden alle neuen Infrastruktur-Projekte in den USA, Europa und auch Teilen von Asien mit dem System ausgestattet. Die Technologie-Sprünge in Bezug auf Batterie, Ladeleistung, Ladeerlebnis und Ladezeiten sowie Infrastruktur werden in den nächsten fünf Jahren enorm sein. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass das Elektroauto schon in sehr naher Zukunft nicht mehr wegdenkbar ist. Für mich steht fest: Am CCS führt kein Weg vorbei.

Was ist der nächste wichtige Schritt für eine weltweite Standardisierung des CCS?

Technisch ist das CC-System ausgereift. Der Stecker ist bis 200 kW standardisiert und verfügbar. Unser Ziel sind Ladeleistungen bis 350 kW, was einer Ladezeit von ca. 12 Minuten für eine 400 km Reichweite entspräche. Primär geht es jetzt um das weltweite Roll-out des Systems. Die größte Herausforderung dabei sehe ich in den Märkten und Ländern, die sich noch nicht für ein System entschieden haben, wie einige Länder in Asien. Das aus Japan kommende CHAdeMO-System ist ebenso etabliert und unser Wettbewerber. Der nächste Schritt besteht deshalb darin, alle Auto- und Ladesäulenhersteller, Regierungen und Infrastruktur-Betreiber davon zu überzeugen, dass unser System das technisch Bessere ist. Dazu werden wir weiter herausarbeiten, wie wir die technischen Vorteile des CCS am besten transportieren können.  

Steckbrief

André Kaufung ist seit 2015 Geschäftsführer der innos-Sperlich GmbH und seit 2016 Partner. Die innos – Sperlich GmbH ist seit 1992 auf das Zielfeld „Neue Technologien und Neue Märkte“ spezialisiert und anerkannter Managementpartner von Wirtschaft, Großforschung und Politik. Die Grundlage hierfür ist die langjährige Management- und Projekterfahrung mit unterschiedlichen Fragestellungen im Rahmen technologieorientierter Entwicklungsvorhaben. Der Fokus liegt dabei auf Innovationsprojekten mit Pilotcharakter und neuen Geschäftsfeldentwicklungen. Im Januar 2016 hat die innos-Sperlich GmbH die operative Steuerung der Charging Interface Initiative (CharIN e.V.) übernommen und André Kaufung zum Managing Director des eingetragenen Vereins ernannt.

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