electrifying insights

Blockchain: Lösung für den dezentralen Mobilitätsmarkt

Ein immer dezentralerer Mobilitätsmarkt benötigt eine dezentrale Transaktionstechnologie. Als vielversprechende Lösung wird Blockchain gehandelt. Ein Essener Start-up erprobt die Technologie bereits und zeigt im Praxistest ihr Potenzial für die Zukunft der Mobilität auf.

 

 

 

 

Zum Rahmenprogramm der EVS30 zählen sogenannte TecTours, die Konferenzteilnehmern die Möglichkeit geben, verschiedene Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus dem Bereich Elektromobilität zu besichtigen. Damit erwarten die Teilnehmer der TecTours echte Highlights aus Baden-Württemberg zum Thema automatisiertes und elektrisches Fahren. Die TecTours beschäftigen sich unter anderem auch mit der Blockchain-Technologie. So wird eine etwa 40-köpfige Gruppe am Donnerstag, den 12. Oktober, zuerst IBM besuchen und danach nach Karlsruhe zum Forschungsinstitut für Informatik und dem KIT reisen. Informationen zur Anmeldung für die TecTours finden Sie hier: www.messe-stuttgart.de/evs30/besucher/konferenz/begleitprogramm/tectours/

Energieerzeuger, Payment-Anbieter, Netz- und Ladesäulenbetreiber: Der Mobilitätsmarkt der Zukunft ist dezentral. Damit steigt auch die Komplexität bei Transaktionen zwischen den einzelnen Akteuren. Außerdem wird es zunehmend schwerer, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Blockchain kann hier Abhilfe schaffen. Denn diese dezentrale Transaktionstechnologie bietet zwei entscheidende Vorteile: Sie kann ohne Intermediär Transaktionen sicher direkt zwischen zwei Geschäftspartnern abwickeln. Zudem basiert sie auf einer dezentralen, nicht hackbaren Datenbank, der alle vertrauen können.

„Um das Thema Elektromobilität weiter voranzutreiben, müssen drei Dinge parallel erfolgen: Wir müssen in Deutschland eine Infrastruktur für E-Mobilität sowie einen Markt schaffen. Gleichzeitig muss eine Technologie die verschiedenen Insellösungen ablösen“, sagt Axel Rogaischus, Geschäftsbereichsleiter Industrie bei IBM. „Und die Technologie, die als zentrale Plattform fungieren kann und damit auch das Leben der Konsumenten entscheidend erleichtert, heißt Blockchain.“

 

Ladeinfrastruktur einfacher zugänglich machen

Das Potenzial von Blockchain haben bereits einige Unternehmen im E-Mobilitätsmarkt erkannt. So auch das Essener Start-up Share&Charge. Das Netzwerk für alle Arten von Ladestationen hat es sich zum Ziel gesetzt, die Ladeinfrastruktur in Deutschland zugänglicher zu machen. Über die App Share&Charge können E-Mobilisten Stromtankstellen mit anderen teilen und den geladenen Strom abrechnen, wobei sie die Tarife selbst bestimmen. Damit erhöhen sich die Lademöglichkeiten für E-Autofahrer in Deutschland und gleichzeitig werden Bezahlvorgänge vereinfacht.

Für Share&Charge muss eine Ladesäule mit einem besonderen Hardware-Modul ausgestattet werden, das für die Anbindung an die Plattform sorgt. In Deutschland ist das bereits bei mehr als 1.150 Ladesäulen der Fall. Im Herbst 2017 sollen es bereits mehr als 2.000 sein. Geld verdient das Start-up über eine Transaktionsgebühr von etwa 15 Prozent. Share&Charge basiert auf der dezentralen und transparenten Blockchain-Technologie, über die E-Autofahrer und Besitzer von Ladesäulen unkompliziert ihre Kosten automatisch abrechnen können.

Hohes Potenzial für E-Mobilitätsmarkt durch sichere Zahlvorgänge

Die Technologie macht die Identifizierung von Autos und Ladesäulen besonders sicher. Über einprogrammierte Verträge, sogenannte Smart Contracts, werden die Lade- und Bezahlvorgänge selbständig ausgelöst. „Nutzer können Geld in der Blockchain-Datenbank hochladen und über sogenannte Mobility-Tokens direkt bezahlen. Das heißt, die Zahlung erfolgt unmittelbar zwischen Ladesäule und Nutzer ohne Intermediär“, sagt Gründer Dietrich Sümmermann. „Künftig wollen wir das Transaktionstool breiter einsetzen, denn es ermöglicht auch zwischen mehr als zwei Parteien ein dynamisches Pricing und erleichtert die Abrechnung. Damit hat Blockchain riesiges Potenzial auf dem E-Mobilitätsmarkt.“

Vom Ruhrgebiet ins Silicon Valley

Share&Charge befindet sich bereits auf Expansionskurs. Über ein Partnernetzwerk  soll die öffentliche und private Ladeinfrastruktur innerhalb Europas mittels Blockchain vernetzt werden. „Wir starten gerade ein Pilotprojekt in Kalifornien, um herauszufinden, wie unser Sharing-Prinzip dort ankommt“, sagt Sümmermann. „Wir sind sehr stolz, dass es ein deutsches Konzept ins Silicon Valley schafft.“

Das könnte Sie auch interessieren

Teaser Image
electrifying statements

Ein Ladesystem für die ganze Welt: Interview mit André Kaufung

Die Charging Interface Initiative (CharIN) mit Sitz in Berlin fordert schnelles und einfaches Laden von E-Autos über das weltweit einheitliche Combined Charging System. Wie die Initiative ihr Ziel erreichen möchte und was die Zukunft bringt, erzählt uns CharIN-Geschäftsführer André Kaufung im Interview.

weiterlesen
Teaser Image
electrifying insights

Langstrecken-E-Mobilität: So funktioniert eine Schnellladestation

Geringe Reichweite und lange Ladezeiten gelten heutzutage als die großen Defizite von E-Autos. Schnellladestationen können diese Mankos ausgleichen und der E-Mobilität zu einem Langstreckenerfolg verhelfen.

weiterlesen
Teaser Image
electrifying statements

Trend - Induktives Laden: Interview mit Professor Dr.-Ing. Nejila Parspour

Nejila Parspour leitet das Institut für Elektrische Energiewandlung (iew) am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik. Seit 15 Jahren forscht sie auf dem Gebiet der kabellosen Energieübertragung. Im Interview spricht sie über aktuelle Entwicklungen und die größten Hürden auf dem Gebiet des induktiven Ladens.

weiterlesen
Über diesen Artikel diskutieren

Einen neuen Kommentar hinzufügen

1000 Zeichen übrig
Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Sei der Erste!