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„Wir leisten seit 30 Jahren Pionierarbeit“

Marco Piffaretti und seine Kollegen beschäftigen sich seit mehr als drei Jahrzehnten mit dem Thema Elektromobilität – zunächst leistete er als Autodesigner Pionierarbeit für verschiedene Autokonzerne. Mittlerweile berät er gemeinsam mit seinen Protoscar-Mitarbeitern Städte, Energieversorgungsunternehmen und Firmen zum Thema E-Autos und dazugehöriger Infrastruktur. Gefahren hat er schon (fast) alles, was eine Steckdose hat.

Marco Piffaretti: „Die Schweizer Tour de Sol war 1985 das erste Rennen für Fahrzeuge, die mit einem Solarantrieb anstelle eines Verbrennungsmotors fuhren – und ich als junger Student des Autodesigns mittendrin. Ab diesem Moment war für mich klar: Ich möchte in die Elektromobil-Branche. Anfangs arbeitete ich gemeinsam mit meinen Kollegen von Protoscar vor allem an Prototypen für große Autohäuser wie Daimler, Nissan, Honda und General Motors. Als diese dann selbst anfingen, Elektro-Autos zu entwickeln, haben wir durch unsere Expertise in beratender Funktion unterstützt. 

Seit 20 Jahren mit Elektroautos unterwegs

Mittlerweile arbeiten wir vorrangig als Berater. Jedoch weniger für Autohersteller, dafür immer öfter für Regierungen, Städte, Firmen oder auch Erstausrüster – also für Hersteller von Komponenten für E-Autos. Städte und Regierungen benötigen insbesondere Unterstützung in puncto Infrastruktur. Firmen wollen wissen, wie sie ihre Flotten umstellen können. Als Autodesigner war ich früher ganz nah dran an der Entwicklung, von diesem Know-how profitiere ich heute als Berater. Mit meinem Unternehmen haben wir zudem selbst drei elektrische Sportwagen-Prototypen gebaut, die Lampo – das bedeutet „Blitz“ auf Italienisch. Ich kenne die Branche also in all ihren Facetten. Als Nutzer habe ich zudem schon (fast) alles gefahren, was eine Steckdose hat, denn ich bin seit 20 Jahren überwiegend mit E-Autos unterwegs. 

Elektrofahrzeuge sollen zum Auto erster Wahl werden

Bereits als Kind war ich von Autos fasziniert. Vor allem davon, was technisch alles möglich ist. Daher war das Thema Elektromobilität für mich schon immer eine spannende Herausforderung. Die ersten zehn Jahre waren reine Pionierarbeit. Wir mussten ja erst einmal beweisen, dass das überhaupt funktioniert und alltagstauglich werden kann. 

Die Entwicklung der Nickelbatterien bedeutete einen echten Durchbruch: Ich glaube, von da an haben viele Kollegen verstanden, dass E-Mobilität wirklich funktioniert. Die Herausforderung ist jetzt, Elektrofahrzeuge zum Auto erster Wahl zu machen. Dank der Lithiumbatterien sind dafür die technischen Voraussetzungen erfüllt – denn damit lassen sich auch lange Strecken mit dem E-Auto zurücklegen. Außerdem können die Batterien schnell (mit 150kW-DC-Ladestationen bis zu 100 Kilometer in zehn Minuten) geladen werden. 

Probiert es einfach mal aus

Um E-Autos zu etablieren, ist jedoch nicht nur die richtige Technologie, sondern auch die richtige Ladeinfrastruktur entscheidend. Früher gab es einen speziellen Schlüssel, mit dem E-Autofahrer Zugang zu Park&Charge-Stromkästen hatten und so ihre Wagen über Campingsteckdosen aufladen konnten. Das hat viel Zeit gekostet und war nicht hundertprozentig sicher – dafür war es günstig. Für eine optimale Ladung bedarf es heute neuer Lösungen. Meiner Meinung nach sind die in Deutschland subventionierten DC-Ladestationen viel zu langsam und somit bereits obsolet – überall werden jetzt 50-kW-Lader hingestellt. Das ist viel zu niedrig, um die kommenden E-Autos schnell genug zu laden – so, wie es Tesla mit dem Supercharger schon lange beweist. Zugleich werden tausende zu starke 22kW AC-Steckdosen gebaut, die außer dem ZOE kein Serienauto voll nutzten kann, da die On-Board-Ladegeräte schwächer sind. Um dies zu verstehen, muss man jedoch selbst erst einmal ein E-Auto fahren und es tanken. Daher empfehle ich jedem, der etwas mit Elektromobilität zu tun hat – insbesondere politischen Entscheidern – selbst Elektro-Autos zu fahren. Probiert es aus und guckt selbst, wie es funktioniert. Vielleicht merkt ihr dann auch, dass zum Beispiel Ladestationen Kabel und Stecker haben sollten und keine Steckdosen. Um Benzin zu tanken, bringt man schließlich auch kein eigenes „Verlängerungsrohr“ mit.

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