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Startschuss für emissionsfreie Taxiflotten in Stuttgart

Verbrennungsmotoren gehören mit zu den großen Luftverschmutzern der Innenstädte. Gerade Diesel-Fahrzeuge haben den Ruf, Schadstoffschleudern zu sein. Ein Fahrverbot für sie in Städten hätte gerade für Taxi-Unternehmen weitreichende Konsequenzen. Stuttgart hat die Zeichen der Zeit erkannt und unterstützt die Taxi-Betreiber beim Wechsel.

Das E-Taxi-Förderprogramm in Stuttgart

Der Bund:

Die Bundesförderung (Umweltbonus) fördert mit 4.000 Euro die Anschaffung eines vollelektrischen Fahrzeugs beziehungsweise 3.000 Euro bei einem Plug-In-Hybriden.

Baden-Württemberg:

Das Land Baden-Württemberg bezuschusst mit der „Landesinitiative III Marktwachstum Elektromobilität BW“ die Fahrzeughaltungs- und Ladeinfrastrukturkosten mit 6.000 Euro für vollelektrische Fahrzeuge, beziehungsweise 1.500 Euro für Plug-In-Hybride.

Stuttgart:

Die Stadt Stuttgart fördert den Wechsel mit einer monatlichen Werbepauschale von 200 Euro für drei Jahre (insgesamt 7.200 Euro), einer erhöhte Werbepauschale um zusätzliche 100 Euro für zwölf Monate (1.200 Euro Frühstarter-Prämie), einem kostenlosen E-Taxi-Design im Wert von etwa 1.000 Euro und einer Taxi-exklusiven-Schnellladeinfrastruktur mit garantiert niedrigem Strompreis.

Ein umfassendes Fahrverbot für Dieselfahrzeuge – was vor wenigen Jahren noch unwahrscheinlich schien, bestimmt inzwischen die Diskussionen. Und das würde vor allem die Taxibranche in Stuttgart hart treffen. Denn kommt nun ein generelles Dieselverbot in Stuttgart, wären davon fast alle Taxis dort betroffen. Das Stuttgarter Verwaltungsgericht hat im Juli 2017 bereits einer Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen das Land Baden-Württemberg stattgegeben. Lediglich Euro-6-Diesel sowie Benziner mit grüner Plakette wären von dem Verbot ausgenommen. Da das Land die Entscheidung des Verwaltungsgerichts jedoch angefochten hat, wird nun am 22. Februar das Bundesverwaltungsgericht über das Urteil befinden.

Unabhängig von der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts ist der Handlungsbedarf durch die zu hohen Messwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid jedoch offenkundig: Wie in vielen anderen Großstädten werden auch in Stuttgart die EU-weiten Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid an stark befahrenen Straßenabschnitten überschritten. An der Messstation Am Neckartor lag die Feinstaubbelastung im Jahr 2017 an 45 Tagen über dem Grenzwert von 50 Mikrogramm. Erlaubt sind 35 Tage. An allen weiteren Messstellen im Stuttgarter Stadtgebiet werden die Feinstaub-Grenzwerte inzwischen eingehalten. 

Die Feinstaub-Werte sind in den letzten Jahren deutlich gesunken und auch die Stickstoffdioxid-Belastung geht langsam zurück. 2017 wurden an der Messstation Am Neckartor nur noch 3 Überschreitungsstunden gemessen, erlaubt sind 18. Im Gegensatz zum Feinstaub ist bei Stickstoffdioxid jedoch der Jahresmittelwert problematisch. Der Grenzwert liegt im Jahresmittel bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Am Neckartor betrug das Jahresmittel 2017 aber noch 73 Mikrogramm.

Gefahr eines generellen Dieselverbots

Die Taxibranche hat bislang fast ausschließlich auf den Dieselantrieb gesetzt. In der Landeshauptstadt haben von den rund 700 Taxen nur 25 Fahrzeuge einen elektrischen Antrieb. Deshalb würde sie ein generelles Dieselverbot in Stuttgart besonders hart treffen.

Das will die Stadt Stuttgart ändern: Mit dem Elektro-Taxi-Aktionsplan möchte sie die Taxi-Unternehmen bei der Umstellung ihrer Flotten unterstützen. Das soll Schadstoffbelastung und Lärm im Stadtgebiet reduzieren und damit die Lebensqualität verbessern. Am 12. Dezember 2017 hat der Gemeinderat der Stadt Stuttgart deshalb beschlossen, ein Gesamtpaket bei der Förderung von E-Taxis zu schnüren, in dem die Förderung durch Bund, Land und Stadt kombinierbar werden (siehe Infobox). 

Welche Fahrzeuge kommen als E-Taxi infrage?

„Der Taxibetrieb ist ein ganz besonderes Anwendungsfeld: Einerseits ist er durch die langen Standzeiten, die kurze Fahrtdauer und die in Summe hohen Fahrleistungen prädestiniert für Elektrifizierung“, weiß Michael Hagel vom Referat Strategische Planung und Nachhaltige Mobilität in Stuttgart. „Denn Taxiunternehmen fahren viel, verbringen aber auch viel Zeit mit Warten, die zum Aufladen genutzt werden könnte. Außerdem haben Taxis eine sehr hohe Sichtbarkeit und öffentliche Wahrnehmung. Daher könnten sie besonders gut zu öffentlichen Botschaftern für Elektromobilität werden und die Akzeptanz in der Bevölkerung für die neue Antriebstechnologie steigern.“ Allerdings ist das Gewerbe andererseits auch sehr vorsichtig gegenüber Neuerungen: Das Fahrzeug ist oft wichtigstes und einziges Betriebskapital und das Misstrauen in neue Antriebe und deren Verlässlichkeit wiegt schwer. „Elektromobilität muss funktionieren, ansonsten drohen Einnahmeausfälle. Das alles macht die Förderung von E-Taxis reizvoll, wichtig, komplex und notwendig“, so Hagel. 

Zudem haben viele Hersteller von E-Fahrzeugen noch keine E-Taxi-Varianten im Repertoire. Deswegen müssten sie aufwendig nachgerüstet werden. Aktuell kommen für die Experten in Stuttgart nur sieben Modelle infrage: BYD e6, Hyundai Ioniq, Nissan e-NV200, Nissan Leaf, Tesla Model S 75D/ 100D, Tesla Model X 75 D/ 100 D und VW eGolf.

Außerdem könnten bestimmte Plug-In-Hybride wie die Mercedes-Benz E-Klasse oder der Mitsubishi Outlander grundsätzlich als Fahrzeug attraktiv sein, allerdings mit Abstrichen bei der Ökobilanz.

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